Heute habe ich den 250. Beitrag auf Satiressum veröffentlicht.
Zweihundertfünfzig.
Ich habe kurz überlegt, ob ich diese Zahl einfach kommentarlos stehen lasse. So tue, als wäre das alles völlig normal. Als wäre es selbstverständlich, innerhalb von wenigen Wochen 250 Texte zu schreiben, zu veröffentlichen und sich dabei nicht vollständig im eigenen Gedankenkarussell zu verlieren.
Aber das wäre gelogen.
Vom Experiment zum Dauerzustand
Als ich Satiressum gestartet habe, war es ein Versuch. Ein vorsichtiges Herantasten an eine Idee: politische Realität so zu spiegeln, dass sie wieder erkennbar wird.
Mittlerweile ist daraus etwas anderes geworden.
Kein Projekt mehr im klassischen Sinne.
Eher ein Zustand.
Ein Zustand, in dem ich morgens aufwache und bereits weiß, dass irgendwo zwischen Frühstück und erstem Kaffee mindestens drei neue Themen darauf warten, verarbeitet zu werden. Themen, die sich nicht ankündigen, sondern einfach passieren.
Und die sich oft schneller entwickeln, als man sie überhaupt aufschreiben kann.
Die Geschwindigkeit der Absurdität
Wenn mich jemand fragt, wie man auf 250 Beiträge kommt, ist die ehrliche Antwort: nicht durch Planung.
Sondern durch Realität.
Denn die Realität hat ein Tempo erreicht, das sich kaum noch einholen lässt. Kaum habe ich einen Text fertiggestellt, liefert der nächste Nachrichtenzyklus bereits das Material für den nächsten.
Manchmal habe ich das Gefühl, ich schreibe nicht mehr über Ereignisse – ich dokumentiere nur noch eine Art fortlaufende Eskalation, die sich selbst immer weiter übertrifft.
Und genau hier wird es interessant.
Denn je absurder die Realität wird, desto präziser muss die Satire werden. Übertreibung allein reicht nicht mehr. Sie muss gezielt eingesetzt werden, fast schon chirurgisch.
Schreiben als Form der Sortierung
Nach 250 Beiträgen hat sich mein Blick auf das Schreiben verändert.
Es ist nicht mehr nur Ausdruck.
Nicht mehr nur Kommentar.
Es ist Sortierung.
Ich schreibe, um Dinge einzuordnen. Um Zusammenhänge sichtbar zu machen, die im täglichen Nachrichtenrauschen oft untergehen. Um Aussagen so weit zu denken, bis ihre innere Logik – oder deren völliges Fehlen – deutlich wird.
Und manchmal schreibe ich auch einfach, weil ich nicht anders kann.
Zwischen Gewöhnung und wachsender Irritation
Man könnte meinen, dass nach 250 Texten eine gewisse Routine einsetzt. Dass sich Abläufe automatisieren, dass das Schreiben leichter fällt.
Das stimmt – und stimmt gleichzeitig nicht.
Ja, ich schreibe schneller.
Ja, ich erkenne schneller, wo ein Text hinführt.
Ja, ich weiß inzwischen ziemlich genau, wann eine Pointe funktioniert.
Aber die Irritation bleibt.
Vielleicht wird sie sogar stärker.
Denn mit jedem weiteren Beitrag wächst auch das Bewusstsein dafür, wie viele Themen sich wiederholen. Wie viele Muster sich ähneln. Wie oft sich Aussagen nur minimal verändern, während ihre Wirkung die gleiche bleibt.
Und genau darin liegt eine der größten Herausforderungen: diese Wiederholungen sichtbar zu machen, ohne selbst repetitiv zu werden.
Die Rolle der Leser
Was mich nach wie vor überrascht, sind die Reaktionen.
Nicht im Sinne von Reichweite oder Zahlen – sondern in der Art, wie Texte aufgenommen werden.
Es gibt Leser, die jeden Beitrag sofort einordnen können.
Andere, die sich bewusst auf die Mehrdeutigkeit einlassen.
Und wieder andere, die genau diese Unsicherheit reizt.
Ich bekomme Nachrichten von Menschen, die schreiben, dass sie sich beim Lesen gleichzeitig unterhalten und verunsichert fühlen.
Das ist kein Nebeneffekt.
Das ist das Ziel.
250 Beiträge – und kein Ende in Sicht
Wenn ich heute auf die Zahl 250 schaue, wirkt sie fast wie ein Meilenstein. Ein Punkt, an dem man stehen bleiben und zurückblicken könnte.
Aber genau das passiert nicht.
Denn während ich diesen Text schreibe, entstehen bereits die nächsten Ideen. Neue Ansätze, neue Perspektiven, neue Themen.
Die Realität macht keine Pause.
Warum sollte ich es tun?
Ein Projekt ohne Abschluss
Satiressum ist kein Projekt, das auf ein Ziel hinläuft. Es gibt keinen Endpunkt, keine finale Aussage, keinen Moment, in dem man sagen kann: Jetzt ist alles gesagt.
Im Gegenteil.
Mit jedem Beitrag kommen neue Fragen hinzu. Neue Widersprüche. Neue Beobachtungen.
Und vielleicht ist genau das der Kern dieses Ganzen:
Nicht Antworten zu liefern – sondern Fragen so zu stellen, dass sie nicht mehr ignoriert werden können.
Zum Schluss
Beitrag Nummer 250 ist kein Abschluss.
Er ist ein Zwischenstand.
Ein Moment, in dem ich kurz feststelle, was entstanden ist – um dann direkt weiterzumachen.
Denn wenn mich die letzten Wochen eines gelehrt haben, dann das:
Die Realität wird nicht weniger absurd.
Und solange das so bleibt, wird es auch Satiressum geben.
Beitrag Nummer 251 ist vermutlich schon unterwegs.